Hochwasserschutz Stadt Passau

 

Bild vergrössern Überflutung Obere Donaulände 2013
 

Ausgangslage


Die Hochwassergefahr in der Dreiflüssestadt Passau wird im Wesentlichen geprägt vom Zusammenwirken der Hochwasserabflüsse von Donau und Inn.
Beim Katastrophenhochwasser von 1954, das als 100-jährliches Ereignis (HQ 100) einzu-stufen ist, wurden große Teile der Altstadt sowie der Stadtteile Hals, Ilzstadt, Innstadt und Hacklberg überflutet.

Aufgrund der dabei aufgetretenen hohen Wasserstände von bis zu 5 m über Gelände sowie des sensiblen historischen Stadtbildes wurde in Passau bisher der passive Hochwasserschutz, das „Ausweichen nach oben“ bzw. Objektschutz durch angepasste Nutzung und die Sicherung von Einzelöffnungen (mit Dammbalken) als Lösung des Problems angesehen. Die Anwendung technischer Hochwasserschutzlösungen für größere, zusammenhängende Bereiche im Stadtgebiet wurde in der Vergangenheit nicht weiter in Erwägung gezogen.

Bisher mussten bereits bei kleineren Hochwasserereignissen Hauptverkehrswege gesperrt werden. Da bei größeren Hochwassern, wie zum Beispiel im Juli 2013 (> HQ 100) oder im August 2002 (ca. HQ 50), auch hohe Schäden sowohl an öffentlichen Infrastruktureinrichtungen als auch an privaten Eigentum entstehen, wird ein weitergehender Hochwasserschutz gefordert.

Vorgehen


Um dieser Forderung nach zu kommen, hat der Freistaat Bayern in einer eigenfinanzierten Machbarkeitsstudie untersucht, ob mangels anderer Alternativen ein Vollschutz (HW 100 + Freibord) durch einen technischen Hochwasserschutz (als Festschutz z.B. mit Mauern oder mobilen Elementen) erreicht werden kann. Der Ausbaustandard „HQ 100 + Sicherheitsmaß (Freibord)“ entspricht den Regeln der Technik und den Vorgaben des Landesentwicklungsprogramms Bayern 2006 zum Schutz von Siedlungen und hochwertiger Infrastruktur.

In der Machbarkeitsstudie vom Dezember 2009 wurden für alle durch Donau, Inn und Ilz hochwassergefährdeten Stadtteile Möglichkeiten eines technischen Hochwasserschutzes untersucht. Im Einzelnen wurden folgende acht mögliche Planungsbereiche untersucht:

  1. Stadtteil Hals am rechten Ilzufer
  2. Stadtteil Hals/Stromlänge am linken Ilzufer
  3. Ilzstadt am linken Ilzufer
  4. Rechtes Donauufer, Hängebrücke bis Güterbahnhof
  5. Stadtteil Hacklberg Bereich Fürstenweg am linken Donauufer
  6. Landspitze am Zusammenfluss von Donau und Inn
  7. Innpromenade und Innkai am linken Innufer
  8. Innstadt am rechten Innufer zwischen Innmündung (Rosenau) bis Innsteg

Umsetzung


Diese theoretisch möglichen Planungsbereiche wurden anhand von technisch- und wirtschaftlichen Kriterien eingehender untersucht. Als Ergebnis dieser Untersuchungen wurden zunächst drei Planungsabschnitte unter bestimmten Voraussetzungen als machbar eingestuft:

  1. Stadtteil Hals am rechten Ilzufer (Feuerwehrhaus -Perlfischerweg- bis Klosterinsel), linkes Ilzufer im Bereich der Halser Ilzbrücke
  2. Stadtteil Hacklberg Bereich Fürstenweg (Einmündung Vilshofener Straße in B85 -West- bis Einmündung Vilshofener Straße in B85 -Ost)
  3. Innpromenade und Innkai am linken Innufer (Gottfried-Schäffer-Promenade von der Nikolastraße bis zum Landgericht)

Nach schwerer Betroffenheit beim Hochwasser 2013 wurden die Stadtteile Grubweg im Bereich Lindau Zahnradfabrik (ZF) und zwei Abschnitte am rechten Donauufer (Bereich Magalettigasse und Bereich Obere Donaulände), die beim Hochwasser vom August 2002 kaum betroffene waren, als weitere umsetzbare Planungsabschnitte aufgenommen.

Für diese nun vorläufig festgelegten sechs Planungsabschnitte wurde mit der Stadt Passau vereinbart, im Rahmen einer Vorentwurfsplanung weitere technische und wirtschaftliche Planungsschritte durchzuführen. Zwischenzeitlich sind fünf Vorentwurfsplanungen abge-schlossen, für den Bereich Gottfried-Schäffer-Promenade führt die Stadt Passau derzeit (Stand 05/2017) einen Architektenwettbewerb zur Gestaltung der geplanten Hochwasser-schutzanlage durch.

Das Schutzziel für alle Maßnahmen im Bereich der Stadt Passau ergibt sich aus der allgemeinen Maßgabe: BHQ = HQ 100 + 15% Klimazuschlag = 8800 m³/s + 1320 m³/s = 10120 m³/s, dies entspricht relativ genau, dem Abfluss beim HW2013 (10.000 m³/s), dessen Wasserspiegellage vom Wasserwirtschaftsamt Deggendorf an vielen Stellen des Stadtgebietes unmittelbar nach dem Ereignis fixiert wurde.

Es kann also davon ausgegangen werden, dass nach Fertigstellung der Hochwasserschutzmaßnahmen in den genannten Abschnitten ein Hochwasserereignis wie im Juni 2013 weitgehend schadlos überstanden werden kann.

Ausblick


Der Hochwasserschutz für den Bereich Fürstenweg soll Anfang 2018 in Betrieb genommen werden.

Für die Bereiche Donaulände, Magalettigasse und Hals werden derzeit (Stand 05/2017) die Entwurfs- und Genehmigungsplanungen erstellt, bzw. werden die erforderlichen Ausschreibungsverfahren durchgeführt.

Die Maßnahme im Bereich Lindau -ZF- befindet sich aktuell (Stand 05/2017) im Planfest-stellungsverfahren.

Die Machbarkeitsstudie vom Dezember 2009 wird derzeit in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Landesamt für Umwelt (LfU) fortgeschrieben. Die Veröffentlichung eines Fortschreibungsstandes ist für Mitte des Jahres 2017 geplant.

Allgemeine und projektspezifische Fragen mit deren Beantwortung

Festgesetztes Übeschwemmungsgebiet im Stadtgebiet Passau

 

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festgesetztes ueberschwemmungsgebiet im passauer stadtgebiet